Reisebericht MS Europa - Part 2
Wir erreichen die 1,5 Millionen Einwohnerstadt Montevideo (Uruguay).
Die Altstadt, die auf einer Halbinsel liegt und in die Bucht von Montevideo ragt, ist fast rechteckig ... die Straßen sind eng ... man sieht immer wieder Kolonialbauten und beim Rundgang stehen wir auf dem Unabhängigkeitsplatz an der Puerta de Ciudadela.Das Tor ist der letzte erhaltene Rest der alten Stadtmauer, deren Bau 1742 begonnen und erst nach mehr als 40 Jahren beendet wurde.
„Wir sind Fleischesser und trinken gern Rotwein“,
verkündet der sympathische Reiseleiter lächelnd – und weist auf den Export von hervorragendem Rindfleisch hin.
Schon am frühen Nachmittag verlassen wir bei ruhiger See Montevideo.
Außer dem täglichen, sehr übersichtlich gestalteten Faltblatt informiert das Bordfernsehen „MS Europa TV, Kanal 1“ ausführlich über das Tagesprogramm. Was in der Welt geschieht, erfahren wir aus der „Süddeutsche Zeitung“ oder „Die Welt“, die ‚selbst gedruckt‘ morgens in der Früh an jeder Kabine steckten ... ein hervorragender Service.
In Puerto Madryn/Argentinien,der Wiege des Tauchsports,
mit 40.000 Einwohnern am Fuße des 130 m hohen Meseta im Golfo Nuevo gelegen, führt ein kurzer Abzweig zum Naturreservat Isla Pajaros, wo Zehntausende von Seevögeln nisten.Kolonien von Seehunden und See-Elefanten ziehen sich an der rund 90 km langen offenen Ostküste zwischen Punta Norte und Punta Delgada entlang.
Die Magellanpinguin-Kolonie von Punta Tombo ist ein weiteres Tier-Eldorado ... mit fast einer Million Tieren ist sie die größte unter den zugänglichen Pinguinkolonien der Welt.
Höhepunkt der Reise
Ein Höhepunkt der Reise war zweifellos Kap Hoorn – der südlichste Punkt Südamerikas.
Kapitän Hagen Damaschke verkündete: „Wenn es die Wetterverhältnisse zulassen, können wir an der Ostküste der Insel an Land gehen. Dreimal waren wir bisher hier – dreimal hat es leider nicht geklappt.
Vielleicht haben wir ja dieses Mal Glück.“ Wir hatten Glück ... und es war ein großes Erlebnis. Eine frühe Ausbootung mit den Zodiacs war notwendig, da sich der Wind am Vormittag erfahrungsgemäß verstärkt. Der Aufstieg zum Faro (Leuchtturm) Cabo de Hoornos lohnte sich ... das Denkmal, das den Seeleuten gewidmet ist, die vor Kap Hoorn ums Leben kamen, und einen Albatros zeigt, auf dessen Schwingen die Seelen der Ertrunkenen weiterleben, berührte wohl jeden.
Die wärmende Outdoorjacke, die wir freundlicherweise als Weihnachtsgeschenk überreicht bekamen, konnten wir bei den niedrigen Temperaturen an der Südspitze des amerikanischen Kontinents sehr gut gebrauchen.
Das Kap wurde erstmals bei einer Expedition der niederländischen Seefahrer Willem Schouten und Jakob Le Maire am 29. Januar 1616 umrundet und nach Schoutens nordholländischem Geburtsort Hoorn benannt. Es liegt auf der zu Chile gehörenden Felseninsel Isla Hornos im Feuerlandarchipel.
An über 200 Tagen im Jahr herrscht hier Sturm mit bis zu 20 m hohen Wellen. Mehr als 800 Schiffen und mehr als 10.000 Menschen wurde die See vor dem Kap zum Verhängnis – so befindet sich hier der größte Schiffsfriedhof der Welt. Im Jahre 1945 wurden Kap Hoorn und die umliegenden Inseln zum Nationalpark erklärt. Wir verließen das Kap wieder „aufwärts“ in Richtung Beagle-Kanal, machten Halt in Ushuaia/Argentinien, einer zollfreien Zone, am Südende jener „Traumstraße der Welt“ gelegen – die im hohen Norden Alaskas beginnt und hier am Beaglekanal endet und heute ein bedeutender Marinestützpunkt der Argentinier ist, der vor allem der Versorgung und Verwaltung der „Argentinischen Antarktis“ dient.
Nun sind wir endgültig in Chile angekommen
Nun sind wir endgültig in Chile angekommen, das sich vom Kap Hoorn bis zur peruanischen Grenze über 5.000 km erstreckt ... immer entlang des Pazifiks.
Punta Arenas/Chile, der südlichsten Kolonialstadt der Welt mit ca. 110.000 Einwohnern, die ungefähr in der Mitte der Magellanstraße auf den Hügeln am Ostufer der Brunswick-Halbinsel liegt, verblüfft mit einer schönen Plaza, einem gepflegten Stadtzentrum, sehenswerten alten Gebäuden, einem hervorragenden Museum und einem besonderen Friedhof.
Seit 1881 gehört die Magellanstraße zum chilenischen Hoheitsgebiet ... sie ist 373 Seemeilen (c. 670 km) lang und an der engsten Stelle 2,5 Seemeilen (ca. 4,5 km) breit. Sie verbindet den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean. Unser nächster Abstecher galt dem Pio-XI-Gletscher (Seno Eyre)/Chile, dem größten Gletscher Südamerikas.
Es war ein beeindruckendes Schauspiel, als der Gletscher kalbte und ein riesiger Eisbrocken ins Meer stürzte. Sehenswert war auch Castro/Isla de Chiloé/Chile ... die 180 km lange Insel Chiloé besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen ... während sich auf der windabgewandten, buchtenreichen Ostseite ein agrarisch genutztes Hügelland ausbreitet, ist auf der westlichen, bis zu 900 m hohen Luvseite ein noch undurchdringliches Waldbergland ohne Rodungsflure anzutreffen.
So langsam nähern wir uns dem Ende unserer wunderschönen Kreuzfahrt. Wir machen Halt in Puerto Montt/Chile, bekannt für eine traumhafte Landschaft. Durch ein Erdbeben im Jahre 1960 wurde die Stadt fast völlig zerstört und bis Ende der siebziger Jahre wieder neu erbaut.
Ausflug in das SOS-Kinderdorf
Der Ausflug in das SOS-Kinderdorf in Ancud/Isla de Chiloé/Chile war sehr beeindruckend. Hier können bis zu 60 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren in drei Gruppenräumen betreut werden.
Auf die beliebte „Farewell-Gala“ warteten die Gäste voller Spannung ... alle hatten die Möglichkeit, die von Crew-Mitgliedern künstlerisch verzierte Original-Seekarte dieser Reise zu ersteigern – was Kapitän Hagen Damaschke mit seinem Charme, seiner einfühlsamen und freundlichen Art erfolgreich meisterte.
Anmerkungen: Bedauerlicherweise wurden die Lichtbilder-Vorträge der kompetenten Lektoren nicht über das Bord-Fernsehen in die Kabinen übertragen. So konnten sich die Gäste, die unpäßlich waren, leider nicht informieren.
Vielleicht hätte man einen „Tier-Ausflug an Land“ ausfallen lassen und dafür einen Tag für Valparaiso und/oder Santiago de Chile einplanen können, damit die Gäste, die die Folgereise nicht gebucht hatten, zumindest einen Eindruck dieser Städte mit nach Hause nehmen konnten.
Es war sehr schön auf der MS Europa ... der schönsten Yacht der Welt!
Gertrud E. Warnecke, Königstein im Taunus
DTG-Media - Kulturredaktion












