Essen - Baldeneysee, Anziehungspunkt im Essener Süden,
Ein Extrabericht der Redaktion Touristik-News.com über einen Besuch der Stadt Essen im November 2008
75 Jahre Baldeneysee

- Ruderregatta auf dem Baldeneysee
Die Bürgerinnen und Bürger in unserer Region schätzen den Baldeneysee als einen landschaftlichen Höhepunkt im Ruhrtal und als beliebtes Naherholungsziel.
Für viele Wassersportler wie Ruderer, Kanuten oder Segler ist er das „Heimatrevier“.
Doch kaum ein Wassersportler oder Besucher weiß, warum der Ruhrverband den See 1933 gebaut hat.
Aufgrund wachsender Bevölkerung und prosperierender Industrie stiegen damals die Wasserverbräuche dramatisch an und die Wasserqualität der Ruhr verschlechterte sich.
Aufgrund wachsender Bevölkerung und prosperierender Industrie stiegen damals die Wasserverbräuche dramatisch an und die Wasserqualität der Ruhr verschlechterte sich.
Die Wasserwerke an der Ruhr hatten zunehmend Probleme einen sicheren Betrieb der Wasserversorgung sicherzustellen.
Daher hatte Dr. Karl Imhoff, der erste Geschäftsführer des Ruhrverbands, die Idee eine Kette von insgesamt acht Ruhrstauseen zu errichten, von denen jedoch nur fünf Seen verwirklicht wurden.
Mit der Anlage der Seen hat man den ehemaligen Ruhrlauf verbreitert, so dass die Geschwindigkeit des Flusses geringer wurde.
Dadurch können sich die im Fluss befindlichen kleinen Partikel auf dem Boden der Seen absetzen. Ferner werden biologische Reinigungseffekte durch die verlängerte Aufenthaltszeit erzielt.

- Teilweise arbeiteten über 2.000 Menschen auf der Baustelle

- Baggerarbeiten zur Errichtung des Stauwehrs
Die Planungen zum Baldeneysee begannen 1927. Sie wurden, bedingt durch die örtlichen und bergbaulichen Belange und aufgrund der Vorgabe eine möglichst wirtschaftliche Anlage zu errichten, mehrfach geändert.
So sah der erste Entwurf einen Stausee zwischen den Ortsteilen Heisingen und Baldeney mit einem Absperrbauwerk oberhalb des Schlosses Baldeney vor. Dieser Entwurf war jedoch aufgrund des geringen Gefälles von ca. fünf Metern nicht wirtschaftlich. Letztendlich wurde das Wehr oberhalb des Ortsteils Essen-Werden errichtet.
Durch die heutige Stauhöhe von 8,70 m werden im Mittel 28 Millionen Kilowattstunden umweltfreundlicher Strom erzeugt.
Nach erfolgreichem Baubeginn im Mai 1931 musste die Baustelle im Dezember 1931 wegen Kapitalmangels stillgelegt werden.
Um Darlehen aus der Erwerbslosenfürsorge erhalten zu können, wurden ab Frühjahr 1932 die Arbeiten, soweit dies wirtschaftlich vertretbar war, mehr und mehr auf Handarbeit umgestellt (Bild re. oben ).
Somit konnte eine große Zahl von Erwerbslosen beschäftigt werden. Gleichzeitig wurde mit gutem Erfolg die 40 Stundenwoche eingeführt, in der an fünf Tagen der Woche sieben Stunden, und zwar zumeist in zwei Schichten, und an den Samstagen fünf Stunden gearbeitet wurde.
So gelang es, die Zahl der Beschäftigten zeitweilig auf über 2.000 zu bringen. Sie führten rund 1,6 Mio. m³ Erd- und Felsbewegungen aus und leisteten insgesamt etwa 860.000 Tagwerke.

- Der Baldeneysee in Essen
Die Bauarbeiten am Baldeneysee konnten trotz der Unterbrechung im Winter 1931 / 1932 und sonstiger Schwierigkeiten planmäßig beendet werden. Ende Februar 1933 erfolgte der Probestau und der Kraftwerksbetrieb startete im Mai 1933.
Die heutige gute Qualität des Ruhrwassers wird allerdings nicht mehr so sehr durch die Ruhrstauseen – die heute die Funktion einer biologischen Feinreinigung haben – sichergestellt, sondern über ein dichtes Netz von modernen Kläranlagen und Regenbecken.
Allein in den Jahren 1991 bis 2005 hat der Ruhrverband 1,6 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung seiner Kläranlagen investiert.
Der Erfolg der Maßnahmen und die damit erzielte Nährstoffreduzierung zeigt sich unter anderem darin, dass eine künstliche Belüftung der Ruhr über das Wehr Baldeney im vierten Jahr in Folge nicht mehr erforderlich war.



