Gaslight - The English Theatre News - Frankfurt am Main - Prämiere 13.09.2008
Die dunkle Seite einer Ehe
Patrick Hamiltons Thriller “Gaslight” am English Theatre Frankfurt
Das English Theatre Frankfurt zeigt zum Saisonauftakt den Psychothriller Gaslight. Das Stück von Patrick Hamilton aus dem Jahr 1938 wirft immer wieder neue Rätsel auf und hält sein Publikum bis zum Schluss in Atem. Gaslight spielt im viktorianischen England und zeigt eine Ehe, in der es dunkle Geheimnisse und tiefe Abgründe zu geben scheint.
Das Stück beleuchtet die Lebensumstände in England vor den Suffragetten und gibt Einblick in das Abhängigkeitsverhältnis von Mann und Frau.
In spannungsgeladenen Momenten wird der trügerische Schein der Ehe entlarvt, um der Wahrheit langsam auf den Grund zu kommen. Gaslight gehört zu den meistgespielten Theaterstücken am Broadway und wurde 1944 von George Cukor verfilmt. In dem für sieben Oscars nominierten Film glänzen Ingrid Bergman, Charles Boyer und Joseph Cotten.
Kurzinfo Gaslight
Während Jack Manningham jeden Abend ausgeht, bleibt seine Frau Bella allein zu Hause und glaubt den Verstand zu verlieren:
Sie kann sich das Verschwinden vertrauter Gegenstände, die mysteriösen Schritte oder das Flackern der Lampen im Wohnzimmer nicht erklären.
Nach dem unerwarteten Eintreffen von Detektiv Rough treten Fragen über Jacks Verhalten und dessen wahre Identität auf.
Über den Autor Patrick Hamilton
Anthony Walter Patrick Hamilton wurde am 17. März 1904 in Hassocks (Sussex, England) geboren. Das Gedicht Heaven von 1919 gilt als seine erste Veröffentlichung.
Bekannt wurde Hamilton allerdings mit den Bühnenstücken Rope (deutsch: Cocktail für eine Leiche) und Gas Light (1938, in Amerika auch bekannt als Angel Street). Gas Light wurde innerhalb von vier Jahren zweimal verfilmt.
Vor allem der US-amerikanische Film von George Cukor (1944) ist bis heute berühmt. 1930 heiratete Patrick Hamilton Lois Martin, die einen guten Einfluss auf ihn hatte. Sie managte seine Finanzen und schlug ihm das ruhige Landleben vor, wo er vorerst seinen Alkoholkonsum unter Kontrolle bringen konnte.
Als Alfred Hitchcock 1947 Rope verfilmte, gab Hamilton zunächst Ideen und Anweisungen. Der Autor und der Regisseur waren sich dann jedoch uneinig bei der filmischen Umsetzung des Bühnenstücks. Hamilton war schließlich so unglücklich über die Verfilmung seines Stückes, dass er wieder zur Flasche griff. Trotz allem gilt Rope bis heute als einer der berühmtesten Hitchcock-Filme.
1948/49 begann Hamilton eine langjährige Affäre mit Ursula Stewart, die unter dem Namen Laura Talbot als Autorin bekannt wurde. 1953 ließen sich Lois und Patrick Hamilton schließlich scheiden und er heiratete kurz darauf seine Geliebte.
Patrick Hamilton verfasste in den 50er Jahren drei Romane: The West Pier, Mr. Stimpson and Mr. Gorse und Unknown Assailant. Seine letzten Lebensjahre waren unproduktiv und schwierig. Hamilton starb schließlich am 23. September 1962.

- Petra Gross / Touristik-News.com mit Tim Hardy nach der Prämiere im Gespräch
Anmerkungen des Regisseurs Tim Hardy
Seit seiner triumphalen Premiere 1938 erfreute sich Gaslight einer großen Popularität in den englischsprachigen Ländern. Die glänzenden Kritiken, die die Erstaufführung bekam, wurden noch verstärkt durch das Lob bekannter Namen wie Noel Coward, J.B. Priestley, John Betjeman und Graham Greene.
Und tatsächlich erreichte der Rest von Patrick Hamiltons literarischem Schaffen, möglicherweise mit der Ausnahme von Rope, nicht den Erfolg anderer zeitgenössischer Stücke und ist heute fast komplett in Vergessenheit geraten. Wie kann das sein?
Die große südafrikanische Autorin Doris Lessing schlägt folgende Erklärung vor: „Patrick Hamilton war ein fantastischer Romanautor.
Aber er war nie Mitglied in einer dieser Cliquen, niemals in eine dieser unsichtbaren Bruderschaften, die in England und insbesondere in der englischen Literaturlandschaft existierten. Auden, Isherwood – er war ein besserer Autor als sie alle, aber er schrieb Romane über die einfachen Leute, und er schrieb vernünftiger über England als irgendjemand anderes.
Du kannst in irgendeine Bar gehen und siehst es genau so wie er.“ Jeder, der sich in der Welt der Literatur auskennt, wird Ihnen sagen, dass Autoren sich über fast nichts einig sind, außer über die Goldene Regel: „Du musst über das schreiben, was Du kennst“. Und Hamilton kannte einen tyrannischen, nutzlosen und alkoholabhängigen Vater und eine Mutter, die sich vor jedem fürchtete und Angst vor dem Dunkeln hatte. Diese Angst erbte ihr Sohn – zusammen mit dem Alkoholismus. Darin sind einige der Gründe zu finden, warum es Hamilton nicht gelang, Akzeptanz unter seinesgleichen zu finden.
Doch es waren gleichzeitig die Gründe, warum es ihm gelang, solch ein ausgezeichnetes Stück zu schreiben: Er schrieb lediglich über das, was er kannte, und alles, was man in Gaslight findet, kannte er sehr gut. Als er 1962 im Alter von 58 Jahren starb, schrieb die Times in einem Nachruf: „Er kannte die Unschuld, die ermordet wurde von den Dummen und den Boshaften.“ Seine Welt waren die Straßen und die Bars, auch die billigen Fremdenheime Londons kannte er nur zu gut.
Hamilton verließ das Land in seinem ganzen Leben nur zweimal, danach hörte man ihn oft sagen: „Schrecklich, dort drüben“. Allgemeingültigkeit, wie sie Gaslight unzweifelhaft besitzt, kann am besten dadurch erreicht werden, dass man Typisches beschreibt. Nach der Uraufführung des Stückes, eines Stückes, das schlussendlich lediglich ein häusliches Drama, angesiedelt in einem einzigen Raum eines sehr einfachen Londoner Hauses, ist, fühlte sich Graham Greene bemüßigt zu schreiben: „Unter allen Autoren ist Patrick Hamilton der Chronist der Verlorenen und der Einsamen“.
Während Hamilton immer der Ausgestoßene und Einzelgänger war, hatte er, wie Nigel Jones sagt, die Fähigkeit, „wie nur wenige britische Autoren (seine Zuschauer) mit der Einsamkeit und der Absurdität des menschlichen Daseins zu konfrontieren.“ Er hat nie sein Vergnügen daran verloren, die Selbstgefälligen und Grausamen stürzen zu sehen, niemals das Mitgefühl für die Wehrlosen und die einfachen Leuten verloren, und er erhielt sich bis zum Ende eine erstaunliche Bewunderung für die Kraft des menschlichen Geistes, jedwede Art von Glauben aufrecht zu erhalten. Sicher sind die Worte, die er selbst gegen Ende seines Lebens schrieb, die beste Grabinschrift für ihn:
„Gott helfe uns, Gott helfe uns allen, jedem von uns“.









