BONAIRE- Divers paradise
ein Reisebericht vonMarlies Rekittke, OceanMovies
Wohin verschlägt es Euch in diesem Jahr im Urlaub?
So oder ähnlich wird man immer wieder gefragt.
Nun, wir sind Wiederholungstäter: Uns hat es auch diesmal wieder nach Bonaire gezogen. Bonaire, wo liegt das denn….?!
Ganz im Süden des Karibischen Meeres
Ganz im Süden des Karibischen Meeres unterhalb der Hurricaneroute liegen die Niederländischen Antillen, bestehend aus den ABC-Inseln und den Drei S: Aruba, Bonaire, Curacao sowie Saba, St.Eustacius und St.Marteen. Unter Tauchern sind die Inseln Bonaire und Saba noch immer ein Geheimtipp.
KLM fliegt ab Amsterdam 6x die Woche nach Bonaire. Tauchgepäck muss man bei Buchung anmelden und bezahlt dann eine Pauschale von € 20,- pro Flug am Check-in Schalter.
KLM führt diesen Flug mit MD 11 durch mit Video on Demand auch in der Touristclass, so dass der Flug ohne Langeweile vergeht.Beinfreiheit ist erstaunlich gross.
Nach ungf. 9 Stunden Flugzeit empfängt uns ein schöner Sonnenuntergang. „Bon Bini“- Herzlich Willkommen auf Papamiento- steht auf einer Tafel am Eingang zur Passkontrolle.
Flamingo Airport ist klein und übersichtlich: zwei Passbeamte kontrollieren die Dokumente und auf dem einzigen Gepäckband kommt schon bald unser Gepäck zumVorschein.
Der Flughafen soll erweitert werden und internationalen Standards angepasst werden. 2009 wird mit demBau eines weiteren Taxiways begonnen und auch die Einreisehalle wird erweitert. Im Moment geht alles recht beschaulich zu. Nur nicht Samstags, da kommen einige Flüge aus den USA an…..
Unser Mietwagen,ein Pick-up,steht bereit. Wir haben ein Apartement gemietet, das in einem Randbezirk von Kralendijk,Bonaires Hauptstadt, liegt. Unterkünfte auf Bonaire rangieren von einfachen Pensionen, Apartements unterschiedlicher Ausstattung bis hin zu Hotels mit mehreren Restaurants und Casino.
In unserem ruhigen, liebevoll eingerichteten Versteck planen wir unseren Aufenthalt. An erster Stelle steht das Tauchen und Filmen, aber Bonaire bietet noch viel mehr und so studieren wir die gutgemachten Führer:Nights on Bonaire und Bonaire Affair, um Anregungen für die nächsten Wochen zu bekommen.
Fürs Tauchen haben wir uns für eine der grössten Padi Gold Palm Basen „Dive Friends Bonaire“ entschieden, mit 4 Niederlassungen entlang der Westküste: Hamlet im Norden, Yellow Submarine, Mitte,Dive Inn am Hafen und Port Bonaire am Flughafen also im Süden von Kralendijk. Man kann an jeder Basis einchecken und Kurse oder Bootstauchgänge buchen, aber auch Pakete mit Unlimited air.Das Gute hier ist, dass man an jedem der vier Tauchshops Flaschen bekommen kann und sie abends an einer anderen Basis zurückgeben kann, je nachdem,wo man gerade tauchen möchte und was praktischer ist.
Ganz Bonaire ist Marinepark
Und damit zum Wichtigsten:Ganz Bonaire ist Marinepark. Bonaire und die unbewohnte Insel Klein Bonaire besitzen an die 86 Tauchplätze, von denen über 50 als Shore Dives ausgewiesen sind. Die Plätze von Klein Bonaire sind ideale Bootstauchplätze.
Tauchen auf Bonaire bietet alles: einfache Tauchgänge für den Anfänger, Steilwände und Tieftauchplätze für den fortgeschrittenen und erfahrenen Taucher. An derWest- und Nordküste Shoredives, die für jeden ein Erlebnis sind und an der „wilden“ Ostküste Bootstauchgänge mit etwas mehr Anspruch.Das Unterwasserleben ist vielfältig: verschiedene Rochenarten, Riesenmuränen und Barracudas, Tarpaune,Schildkröten, Schwarmfische, Ammenhaie und gelegentlich Riffhaie.Unsere Lieblingsplätze sind Karpata, Tolo, Alice im Wonderland, Lac Cai mit White Hole und Sorobon Reef und natürlich von den Wracks die Hilma Hooker, ein ehemaliges Drogenschmuggelboot sowie der Salt Pier. Immer wieder entdeckt man etwas Neues, auch an Plätzen, die man schon oft betaucht hat.
Seit 1971 wird das gesamte Unterwassergebiet, der Washington Slaagbaie Park im Norden sowie das Mangrovengebiet im Süden der Insel von der Netherlands Antilles Foundation(STINAPA) verwaltet und geschützt. Jeder Besucher muss eine sog. Stinapagebühr bezahlen (Taucher 25,-US$, Nicht-Taucher 10,-US$). Dies ist die einzige Einnahmequelle für die Parkverwaltung durch die der Erhalt der Parks sowie die Schutzprojekte gefördert werden. Über die Hälfte der Insel sind Schutzgebiete, daneben gibt es einige Ansiedlungen, das Stadtgebiet von Kralendijk und die Solar Salt Pans, die im Privatbesitz sind. Auf Bonaire wurde schon vor über 200 Jahren Salz gewonnen.
Salzgewinnung auf Bonaire
Nach Abschaffung der Sklaverei lohnte der Salzabbau nicht mehr und wurde eingestellt. Erst in den siebziger Jahren wurde die Salzgewinnung durch den Einsatz moderner Maschinen wieder attraktiv und heute exportiert Bonaire Meersalz bester Qualität. Rund um die Stützen des Salt Piers , an dem alle zwei Monate ein Salzfrachter anlegt, hat sich vielfältiges Leben entwickelt. Nachttauchgänge, für die man eine spezielle Erlaubnis beim Hafenmeister am besten über die Tauchbasis einholt, sind ein ganz besonderes Erlebnis von geradezu mystischer Qualität.
Das Schöne am Easy Diving- Bonaire Style ist, dass man Flaschen und Equipment auflädt auf seinen Pick-up,die Küstenstrasse entlangfährt und an einem durch einen gelb angemalten Stein gekennzeichneten Strandabschnitt anhält. In einem kleinen Bonaire-Tauchführer, den man überall umsonst bekommt, sind alle Tauchplätze beschrieben mit Namen und Nummer und man entscheidet sich je nach Erfahrung und Ausbildung für einen Platz. Dann heisst es nur noch Anrödeln am Strand, rein ins Wasser, 30 bis 100m Schnorcheln und Abtauchen am Riff.
Für Boote gibt es an allen Plätzen Bojen zum Festmachen. Entlang der Westküste zieht sich ein schönes Doppelriff. Im Norden kann man Steilwände, Canyons und auch Tieftauchplätze entdecken. Auch Tekkies kommen auf ihre Kosten, z.B am auf 60m liegenden Wrack der Mairi Bahn, einem wunderbar erhaltenen Windjammer ,der im Norden vor der Verladestelle der Bopec(Verladestelle für Öl) 1912 untergegangen ist. Hier darf allerdings nur mit spezieller Erlaubnis getaucht werden.
Und was macht man als Nichttaucher auf Bonaire?
Um sich erstmal einen Überblick zu verschaffen, kann man vom Flamingo Airport aus mit einer viersitzigen Cessna vom Bonaeroclub einen Rundflug machen. In einer Stunde hat man die Insel umrundet und erkennt mit Überraschung wieviele Feuchtgebiete es auf dieser ariden Insel gibt, in denen Hunderte von Flamingos leben.
Auch die Salzpfannen und Salzberge erscheinen aus der Luft in ihren Ausmassen noch beeindruckender. Abgetrennt von den Salzpfannen werden Algen gezüchtet aus denen Biosprit gewonnen werden soll.Die Riffe sind deutlich zu erkennen. Das Wasser ist wunderbar türkis bis tiefdunkelblau. Rincon, die älteste Ansiedlung erscheint aus der Luft wie ein Spielzeugstädtchen mit gerade auf die Kirche zulaufenden Strassen und einem ummauerten Friedhof.
Wassersport auf Bonaire
Für Wassersportler gibt es viele Möglichkeiten wie Segeln, Windsurfen und Kiteboarding.
In der Windsurferszene ist Bonaire bekannt und beliebt bei Anfängern und Könnern auf Grund der stetigen Winde. In der flachen Lagune von Lac Cai bei Sorobon zeigen internationale bekannte Surfer in Wettbewerben ihr Können, aber auch Anfänger können in den beiden dort ansässigen Surfresorts Kurse machen. Für 2009 ist ein Slalomwettbewerb geplant.
Am Atlantisbeach an der Westküste haben die Kiteboarder ihr Gebiet. An diesem Strandabschnitt finden sich bei gutem Wind die jungen Wilden und geniessen das Gleiten mit und ohne Board.
Jedes Jahr im Oktober findet die International Sailing Regatta statt. Viele Segler machen auf ihren Törns rund um die Karibik oder auch um die Welt Rast im geschützten Hafen Bonaires.
Eine Segeltour im Kanal zwischen Bonaire und Klein-Bonaire mit Buffet oder Picknick ist einfach nur entspannend und wenn man selbst mit Hand anlegt beim Segelsetzen oder mal das Ruder übernimmt, ein gelungener Ausflug
Ein bisschen schneller geht es zu bei Landsailing Bonaire an der Ostküste. Hier kann man auf einem extra angelegten Parcours auf einem speziellen Gleiter entlangflitzen.
An Bonaires Ostküste gibt es keine ausgedehnten Strände mit festem Untergrund, was die Vorraussetzung fürs Strandsegeln ist.
Und so haben die Besitzer Naomi und Nelson so etwas Ähnliches wie eine grosse, abwechslungsreiche Go-Kart-Bahn angelegt.
Freizeit auf Bonaire
Auch Fahrräder kann man mieten und die Insel erkunden. Es gibt einige gut gekennzeichnete Touren. Die flachen Küstenstrassen machen es leicht auch für Ungeübte und Off-Road kann man sich ebenfalls austoben. Wichtig auch hier, wie bei allen Aktivitäten ,ans Trinken denken.
Die Wanderer kommen im Washington Slaagbaie Park auf ihre Kosten. Frühmorgens kann man dort besonders gut viele nur hier auf Bonaire vorkommende Vogelarten beobachten und die grossen Leguane mit Salatherzen und Obst füttern.
In Tropfsteinhöhlen an der Ostküste findet man noch indianische Inschriften, die dort vor 1500 Jahren für die Sternen- und Wetterbeobachtung angebracht wurden. In einige der Höhlen an der Westküste, die sich tief in die Felsen hineinziehen , kann man mit Führer schnorcheln.
Im Süden auf demWeg zum Lac Cai kommt man an der Butterfly Farm vorbei, wo Hunderte von Schmetterlingen in einem grossen Gewächshaus fliegen oder gerade aus dem Kokon schlüpfen.Die Farm nutzt Windkraft und Solarenergie und bewässert mit Regenwasser.Ein Vorzeigeprojekt ,dem weitere folgen sollen auf demWeg Bonaires zu völliger Unabhängigkeit von fossiler Energie.
In der Nachbarschaft gibt es dann das Mangrove Info Center. Dort werden geführte ein- und zweistündige Kayaktouren angeboten, die einen guten Einblick geben über die wichtige Rolle der Mangrovengebiete als Kinderstube und Filter der Riffe. Man kann bei den längeren Touren auch Schnorcheln und Schildkröten beobachten.
Einen Einblick in das Leben auf einer Plantage von vor 150 Jahren gewinnt man bei einem Besuch auf Rooi Lamoenchi (Limeriver). Die Besitzerin zeigt ihr Haus gefüllt mit alten Werkzeugen, Möbeln und Haushaltsgegenständen und erklärt dann bei einem Rundgang über das Gelände, was auf dieser Farm produziert wurde (hauptsächlich Aloe, Ziegen) und wie die verschiedenen Geräte und Maschinen genutzt wurden. In ihren Geschichten wird die Vergangenheit lebendig.
Ausblicke aufs Meer
Man kann dann noch eine Wanderung machen und dabei immer wieder atemberaubende Ausblicke aufs Meer an der Ostküste gewinnen.Im Süden von Kralendijk in der Nähe des Flughafens gibt es das Donkey Sanctuary. Auch dies eine Verbindung zur Vergangenheit, denn die auf Bonaire frei herumstreifenden Esel sind Nachkommen der schon von den Spaniern im 17. Jahrhundert als Last- und Reittiere genutzten Esel. Esel haben ein gutes Gedächtnis. Nach einigen geführten Tripps zu den Salzpfannen konnten sie allein mit Salz beladen den Weg finden von einem Platz zum anderen und zurück.
Nach Einstellung der Salzproduktion und Verwendung von Maschinen wurden die Esel „arbeitslos“ und einfach freigelassen. In der Folge vermehrten sie sich und wanderten auf der Suche nach Futter durch Gärten und Äcker, denn auf einer halbariden Insel gibt es nicht viel Vegetation. Sie wurden angefahren und auch als lästige Futterkonkurrenten der Ziegenherden oft misshandelt und gejagt. Vor15 Jahren gründete daher eine tatkräftige Holländerin die gemeinnützige „Save the Donkeys Stiftung“. Auf dem Gelände des Parks finden mittlerweile über 400 der 600 auf Bonaire lebenden Esel ein Zuhause.
Hier werden sie medizinisch versorgt, kastriert und gefüttert. Durch die Kastrierung hofft man das Problem der Übervölkerung langsam in den Griff zu bekommen. Es gibt einen Aussichtsturm, Hospital, Waisenhaus, Laden und Futterplätze. Esel sind neugierig und gutmütig. Bei einem Besuch zur Fütterungszeit (morgens und nachmittags) kann man mitmachen, Kraulen und Streicheln und mitgebrachtes Grünzeug oder altes Brot verfüttern. Spenden sind immer willkommen.
Und nach all diesen Ausflügen kann man dann unter verschiedenen Restaurants mit internationaler oder lokaler Küche wählen, in Musikbars gehen oder eine Runde Black Jack oder Roulette im Casino spielen. Das Casino hat übrigens den Spitznamen „Barefoot-Casino“. Es gibt keine Kleiderordnung, nur Badekleidung ist verpönt.
Sonntags öffnet am Lac Cai die Weekendbar. Hier treffen sich die Locals bei Bier, Wein und kleinen Snacks und hören den einheimischen Musikern zu,die ein Gemisch aus karibischen Klängen und venezolanischen Liebesliedern spielen manchmal unterbrochen von englischen Popsongs. Irgendwann wird dann getanzt und nach Hause geht es erst am späten Abend.
Zwischendurch kann man fangfrischen Fisch kaufen. Der ansässige Fischer nimmt sie gleich am Ufer aus und macht sie küchenfertig. Auf die Innereien warten schon die Pelikane und Fregattvögel.
Und als Abschluss dann noch eine verträumte Segeltour auf einer thailändischen Dschunke mit Thaidinner zum Sonnenuntergang……Einfach ein perfekter Urlaub!















