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Reisemedizin News - Sinn und Unsinn von Moskitonetzen, Repellentien
Prinzipiell gibt es drei Formen der Infektionsvorsorge:
die Expositionsprophylaxe (Kontaktvermeidung),
die Dispositionsprophylaxe (Impfungen) und
die Chemoprophylaxe (medikamentöse Vorbeugung).
Darunter hat die Expositionsprophylaxe auf Grund der breitesten Wirkung die größte Bedeutung.
Quantitativ führen bei Reisenden jene Infektionen, die durch Blutsauger und die durch Ernährung und Wasser übertragen werden, häufig zu Erkrankungsfällen.
Richtig angewandt schützen Moskitonetze vor Blutsaugern aller Art, aber auch vor Spinnen und Skorpionen (und harmlosen Lästlingen wie z.B. Kakerlaken). Dies setzt ein intaktes Maschennetz, eine korrekte Fixierung und einen dichten Abschluss im Saumbereich voraus. Die Wirkung von Moskitonetzen lässt sich erwiesenermaßen durch eine wirksame Imprägnierung optimieren und ist insbesondere in Malariagebieten sehr zu empfehlen.
Repellentien sind Maßnahmen, die Blutsauger vom Menschen abhalten und somit Bisse verhindern sollen. Dies wird am häufigsten zur Abwehr von Moskitos eingesetzt, prinzipiell ist diese Maßnahme aber auch gegen andere Mückenarten, Zecken, Milben, Bremsen und blutsaugende Fliegen wirksam. Unsinnig ist diese Maßnahme zur Abwehr stechender Insekten wie Bienen, Wespen und Hornissen.
Gerade bei Repellentien hat sich ein ansehnlicher Markt entwickelt, u.a. haben auch Bio- und Ökoprodukte diese Nische für sich entdeckt.
Bei umfassender Betrachtungsweise können 3 Produktgruppen unterschieden werden: jene zur Anwendung auf der Haut, jene zur Imprägnierung von Kleidungsstücken und jene, die - meist unter Einwirkung von Hitze - im Dampfform freigesetzt werden und damit zu einer Veränderung des "Raumklimas" führen.
Substanzen mit erwiesener Wirkung sind u.a. DEET, Icaridin und Permethrin, Bio-Produkte sind mit wenigen Ausnahmen entweder nicht in Form seriöser Studien geprüft oder auf Grund einer sehr kurzen Wirkungsdauer in der Praxis wenig hilfreich.
Die Ernährungstipps werden schon seit langer Zeit mit dem Slogan "Peel it, boil it, cook it or forget it!" zusammengefasst. Grundsätzlich entspricht dies den wesentlichen ernährungsspezifischen Vorsorgemaßnahmen für Reisende.
Bei detaillierterer Betrachtung sind hier aber doch Ergänzungen nötig, da dieser Spruch bei gewissen Destinationen (nicht nur innerhalb Europas) überzogen erscheint, andererseits aber auch durchgegarte Speisen ein Resterkrankungsrisiko bergen können.
All diese expositionsprophylaktischen Empfehlungen sollten somit auch individuell angepasst werden. So sollte letztlich auch immer die Umsetzbarkeit prinzipiell sinnvoller Maßnahmen (deren Einhaltung in manchen Situationen wie. z.B. bei Langzeitaufenthalten schwierig sein kann) Einfluss auf die Empfehlung haben.
Verfasser:
M. Haditsch,TravelMedCenter Leonding und
Inst. für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am aö Krankenhaus der Elisabethinen, Linz

