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Nieten, Nadelstreifen und Automobile - Das Wort zum Freitag
Es gab da mal eine Zeit, da konnte man als normaler Gewerbetreibender zur Bank gehen und wenn man Geld brauchte, hat man es auch bekommen.
Der Banker fragte, wozu man das Geld brauchte und bei Antworten wie Wareneinkauf, Ladeneinrichtung oder ich mache noch einen Shop auf, war der Rest reine Formsache.
Man hatte als Einzelhändler im Allgemeinen so viel zu arbeiten, dass man es wirklich ab und zu mal vergaß das Geld aus den Tageseinnahmen einzuzahlen.
Das mit dem Einzahlen war auch nicht ganz einfach, da die Banken Öffnungszeiten hatten, wovon die Angestellten heute nur träumen können. Werktags von 10 h – 13 h und dann, aber nicht an jedem Tag, noch einmal am Nachmittag, von 16 h – 18 h, oder von 14 h – 16 h.
Das Einzahlen von Geld war außerhalb dieser Zeit nur mit Geldbomben möglich, die in aufwendiger Prozedur eingeworfen werden konnten.
Wobei Frauen dies nicht alleine durften, sondern nur, wenn sie mindestens zu zweit waren.
Das Leben als Banker war bei 13 – 14 Gehältern im Jahr überschau- und planbar. Bei meiner Filiale war der Filialleiter eine echte Persönlichkeit, der über dreißig Angestellte zu führen hatte. Wenn seine Bürotür geschlossen war und man ihn sprechen wollte, sprach man eine der überaus beschäftigten Damen an. Zaghaft wurde an seine Tür geklopfte. Kam aus dem Inneren keine Antwort, sagte die Dame, sorry, der Herr Filialleiter ist wohl im Gespräch. Das war es dann für den Moment. Ohne Termin, war es halt schwer.
Wen man den Herrn Filialleiter am Abend zufällig mal im Weinlokal in der Strasse der Filiale traf, begrüßte der einen freundlich mit Namen. Es konnte sein, dass er sagte, ganz leise und vertraulich, „sie müssen mal wieder das Tagesgeld einzahlen, sie sind schon ein wenig über dem Dispo“. Ich habe den Rahmen mal kurzfristig erhöht, dass uns da nicht passiert.
Man sagte zu, am kommenden Tag einzuzahlen, was man auch um alles in der Welt auch eingehalten hat.
Bei ähnlicher Gelegenheit fragte man auch, wie bereits erwähnt, nach einem Lieferantenkredit. „Wie viel brauchen wir denn“, fragte der Herr Filialleiter. So Zehntausend für drei Monate würden helfen, sagte ich. Mache ich fertig, morgen Mittag ist das Geld auf ihrem Konto.
Fassen wir bis hierhin zusammen. Da war ein kompetenter Mann in einer Bank, der die Namen der Kunden wusste. Die Kontostände und die Kompetenz und den Willen hatte, auch mit dem kleinen Gewerbetreibenden zu reden und diesem tatkräftig beiseite stand.
So etwas wie ein gut funktionierendes Team halt.
Wir verlassen die Zeitmaschine und schlagen zwanzig Jahre später, mehr als hart auf dem Boden der heutigen Realität auf.
In der selben Filiale arbeiten heute fünf Mitarbeiter in Wechselschichten, bei Öffnungszeiten von 10 h – 18 h.
Geldeinzahlungen möglichst nur in einen Automaten.
Nichts stört einen Banker heute mehr als Kunden, die irgend etwas mit Bargeld in ihrer Filiale wollen.
Der heutige Bankangestellte muss ein wahres Verkaufstalent sein und wird gemessen an Bausparverträgen und allen möglichen Versicherungen, die er gefälligst zu verkaufen hat.
Der Teamleader hat ja schließlich seine Vorgaben zu erfüllen.
Der eigentliche wirkliche Bankkunde ist da nur nervig und störend. Versuchen sie doch mal etwas mehr Bargeld auf einer Bank einzuzahlen. Das dauert halt, wenn der Banker der Rentnerin eine Lebensversicherung verkaufen will, sorry muss.
Nun stellen man sich vor, ein kleiner Gewerbetreibender möchte vielleicht für den Wareneinkauf Fünftausend Euro zusätzlich haben. Auweia, da kommt einer zur Bank und will Geld, das geht ja gar nicht!
Verlassen wir die unterste Ebene und steigen auf in die Hochfinanz. Da spielen in Deutschland Millionen und seit einer Woche auch Milliarden keine Rolle mehr.
Sind halt nur irgendwie Peanuts.
Opel steckt tief in der Krise. Erst soll vielleicht eine Bürgschaft von einer Milliarde helfen, jetzt wird schon über „1,8 tausend Millionen“ Euro nachgedacht.
Die Staatsverschuldung sollte in der kommenden Legislaturperiode auf zehn Milliarden runtergeschraubt werden.
Nach neusten Schätzungen werden es dann wohl doch eher siebzehn werden.
Für kühne Rechner, 10 +1,8 =17 Milliarden Staatsschulden ????
Irgendwie nicht nachvollziehbar, für uns Normalbürger, wo die Differenz bleiben wird.
Man stelle sich vor, die Banken und Weltbanken machen ihren Job, handeln mit Geld, oder verleihen es sogar.
Ich Tor vergaß, heute werden ja mehr Derivate, Hebelzertifikate u.v.a. gehandelt. Alles ohne realen Waren- und Gegenwert. Luft halt, ein Hauch von nichts.
Der Zyniker könnte an dieser Stelle den Bogen weit spannen, Luft = Wind, wer Wind säht, wird Sturm ernten ....... Luftschlösser halt.
Warum tritt eine Regierung als Bank auf?
Wo war die Spendenbereitschaft der Automobilindustrie dem Steuerzahler gegenüber als es ihr gut ging?
Was bekommt der zum Beispiel kleine Handwerksbetrieb für Hilfen?
Wenn er dringend Hilfe braucht?
Hat nicht der gerade viel Steuern bezahlt, im Verhältnis zum Umsatz und Gewinn.
Hilfe bekommen? – Vom Staat, wohl eher nicht!
Die großen Konzerne wie VW haben in nicht all zu ferner Vergangenheit mit Geld, Währungsgeschäften und Beteiligungen mehr verdient, als mit dem eigentlichen Fahrzeugbau.
Familienquerelen zwischen dem Piëch und Porsche Klan, führten fast zu der Aufgabe des Porsche Konzerns.
Fühlte sich Ferdinand Piëch vielleicht als ein Enkel von Ferdinand Porsche vor den Kopf gestoßen?
1972 musste Piëch sich aufgrund eines Familienbeschlusses, aller Familienmitglieder, aus der Geschäftsführung bei Porsche zurückziehen.
Wie muss es ihm dann heute vorkommen, dass Porsche die Mehrheit bei VW anstrebt.
All dies fand alleine seinen Weg, den Gesetzen der Wirtschaft folgend.
Opel ist eine hundert prozentige Tochter von General Motors (GM) Europe. Die wiederum eine hundert prozentige Tocher von GM in den USA ist.
Interessant ist, wie man da Geld rein geben will, ohne verhindern zu können, dass dies nach den USA abwandert.
Was passiert, wenn man abwartet? Was passiert wenn GM in US in die Insolvenz geht?
Vielleicht ist das Unternehmen dann besonders günstig zu bekommen, oder es finden sich andere Eigner und Investoren.
Bei den kleinen und mittelständischen Zulieferern wird da wohl wenig ankommen.
So oder so, gesehen.
Über die Frittenbude an der Ecke, wo auch Familien dranhängen, wird keiner reden und schon gar nicht helfen wollen und können.
Das ist wohl auch eine große Gruppe der wahren Opfer.
Das die Manager von Opel für dieses Jahr auf Prämien verzichten wollen ist ja auch eine nette Geste.
Mit Sonnensegel auf dem Dach in Richtung Rhein? Für eine Milliarde? Da streikten die US Manager von GM. No deal.
Wer weiß wohin es OPEL noch treiben wird.
Ich empfehle das Buch „Nieten in Nadelstreifen“, das nach über fünfzehn Jahren, nach dem Erscheinen, heute leider aktueller denn je ist.
Ogger, Günter: Nieten in Nadelstreifen, Droemer Knaur, 1992. Gebundene Ausgabe EAN: 9783426266045 (ISBN: 3426266040)


