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Freitag, 03. September 2010

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Aktuelles - Mexiko: Warnung vor übertriebener Schweinegrippe-Hysterie

Pressemeldung der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V. , der Fachgesellschaft für das Impfwesen in Bayern

Sicherlich breitet sich die H1N1 Schweinegrippe derzeit über die Kontinente aus und
wir werden auch in Zukunft noch Meldungen über Neuerkrankungen bekommen.

Für eine öffentliche Diskussion um eine Pandemie - vergleichbar mit der spanischen Grippe
von 1918 - ist es noch wesentlich verfrüht.

Folgende günstige Faktoren sprechen für einen eher unkomplizierten Verlauf:

1) Die Ausbreitung verläuft nach aktuellem Kenntnisstand immer noch relativ
langsam. Entsprechend den Computermodellen zu einer Pandemie mit einem sehr ansteckenden Virus hätten sich schon weltweit wesentlich mehr Krankheitsfälle finden
müssen.

2) Außerhalb von Mexiko zeigt sich ein relativ dezentes Krankheitsbild.

In Mexiko scheint es sich um eine Mischepidemie zwischen normaler Grippe und Schweinegrippe zu handeln. Die Zahl der Erkrankten ist unbekannt, dürfte aber deutlich über den angenommenen 1000 Fällen liegen. Die 100 Todesfälle (davon bisher nur ca. 20 durch Schweineinfluenza bestätigt) wären dadurch relativiert:

Vogelgrippe scheint wesentlich aggressiver zu sein. In Deutschland rechnet man bei einer „normalen“ Grippesaison mit einer Übersterblichkeit von 5000 bis 15000 Fällen in der Bevölkerung.

3) In dieser Jahreszeit hatten wir noch keine Grippeausbreitung hier.

Auch die spanische Grippe fand im Winter statt. Die heurige oder vorangegangene Grippeimpfungen schützen vermutlich nicht. Diese enthalten zwar auch eine H1N1-Kpomponente, die sich aber von der sog. Schweinegrippe deutlich unterscheidet.

Die Neuraminidasehemmer scheinen nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse zu
wirken (im Gegensatz zum humanen H1N1, wo hohe Resistenzraten für Oseltamivir
bekannt sind).

Sollte trotzdem der Fall einer schweren Pandemie eintreten, sind wir zumindest im
Rahmen des Möglichen vorbereitet. Dank der Diskussion über die Vogelgrippe in den
letzten Jahren haben die meisten der großen Firmen Pandemiepläne. Das Bayerische
Gesundheitsministerium hat in hervorragender Weise einen Pandemieplan für die Bevölkerung erarbeitet und die entsprechenden Medikamente eingelagert.

Der Beste Schutz vor Ausbreitung derartiger Erkrankungen sind derzeit immer noch
die Standard-Hygiene-Maßnahmen:

1) Häufig Hände waschen
2) Ggf. Mundschutz benutzen (v.a. bei möglichen Kontakten in der Öffentlichkeit)
3) Menschenansammlung vermeiden
4) Daheimbleiben bei Krankheitssymptomen
5) Sofortige diagnostische Abklärung bei begründetem Verdacht

Dringend warnen wir vor Stigmatisierung und Ausgrenzung der Mexikoheimkehrer. Für
Maßnahmen wie eine Quarantäne besteht derzeit keinerlei Anlass.

Von: Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin u. Impfwesen e.V.

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27.04.2009 16:42 Alter: 1 Jahre